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Ausbildung 2026: Deutschkenntnisse, Gehalt und Schritt-für-Schritt-Guide

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Sprachschule.org Redaktion
· 26. März 2026 · 17 Min. Lesezeit
Ausbildung 2026: Deutschkenntnisse, Gehalt und Schritt-für-Schritt-Guide

Ausbildung 2026: Deutschkenntnisse, Gehalt und Schritt-für-Schritt-Guide

Für das Ausbildungsvisum nach § 16a AufenthG brauchst du mindestens Deutsch B1. IHK und HWK empfehlen B2, weil der Berufsschulunterricht komplett auf Deutsch stattfindet. Eine duale Ausbildung dauert 2 bis 3,5 Jahre und zahlt dir ab dem ersten Tag 724-1.490 EUR/Monat. Nach dem Abschluss steigt dein Gehalt auf 2.800-3.900 EUR/Monat (IT) oder 3.304 EUR/Monat (Pflege). Aktuell machen 213.000 ausländische Azubis rund 13,2 % aller Auszubildenden in Deutschland aus — doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Über 150.000 Ausbildungsplätze bleiben jedes Jahr unbesetzt. Dieser Guide zeigt dir den kompletten Weg: von null Deutsch bis zum Ausbildungsvertrag.


Was ist eine Ausbildung?

Die duale Berufsausbildung ist Deutschlands Erfolgsmodell. Du lernst gleichzeitig im Betrieb und in der Berufsschule — meist drei Tage Praxis, zwei Tage Theorie. Du unterschreibst einen Ausbildungsvertrag und bekommst ab Tag eins ein Gehalt. Anders als bei einem Praktikum bist du sozialversicherungspflichtig beschäftigt: Krankenversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung sind automatisch abgedeckt.

Es gibt über 320 anerkannte Ausbildungsberufe: von Mechatronik und IT bis Pflege und Konditorei. Der Abschluss ist bundesweit anerkannt und in vielen Ländern international respektiert. Das System unterscheidet sich grundlegend von Hochschulbildung: Du lernst direkt am Arbeitsplatz und wendest Theorie sofort in der Praxis an.

Die wichtigsten Fakten:

Details
Dauer2-3,5 Jahre je nach Beruf
Vergütung724-1.490 EUR/Monat (steigt jährlich)
Aufteilung60-70 % Betrieb, 30-40 % Berufsschule
AbschlussBundesweit anerkanntes Zertifikat (IHK/HWK)
Altersgrenze Visum35 Jahre (§ 16a AufenthG)
Ausländische Azubis213.000 (13,2 % aller Auszubildenden)

Beispiel: Eine Pflegefachkraft-Azubi verdient im ersten Jahr 1.380-1.490 EUR/Monat. Dazu kommen Krankenversicherung, 24-30 Urlaubstage und kostenlose Ausbildung. In vielen Herkunftsländern liegt das über dem Einstiegsgehalt von Hochschulabsolventen.


Deutschkenntnisse: B1 vs. B2

Welches Niveau du brauchst, hängt davon ab, wen du fragst: die Botschaft, den Betrieb oder die Berufsschule. Hier die Übersicht.

Das gesetzliche Minimum: B1

Für das Ausbildungsvisum (§ 16a AufenthG) verlangt die Ausländerbehörde ein B1-Zertifikat eines anerkannten Anbieters (Goethe-Institut, telc, ÖSD oder TestDaF). Das ist die Eintrittskarte nach Deutschland.

Der praktische Standard: B2

Die meisten IHK- und HWK-Kammern empfehlen B2 — und das aus gutem Grund. Der Berufsschulunterricht findet komplett auf Deutsch statt. Auf B1 verstehst du Alltagsgespräche, aber Fachvokabular in Wirtschaftslehre oder Technologie erfordert B2-Kompetenz.

B1 vs. B2 nach Beruf

Nicht jeder Beruf stellt die gleichen Anforderungen an dein Deutsch. Hier eine realistische Einordnung:

BerufMinimum VisumEmpfohlenes NiveauWarum?
PflegeB1B2Patientengespräche, Dokumentation, Fachsprachprüfung nötig
Fachinformatiker/inB1B1-B2Viele Teams arbeiten auf Englisch, Berufsschule aber auf Deutsch
Koch/KöchinB1B1Wenig Schriftarbeit, begrenzter Fachwortschatz
Mechatroniker/inB1B2Sicherheitsvorschriften und technische Handbücher sind komplex
Elektroniker/inB1B2Elektrosicherheit verlangt präzises Textverständnis
Kaufmann/-frauB1B2-C1Viel Lesen, Schreiben und Kundenkommunikation
Fachkraft für LagerlogistikB1B1-B2Lagersoftware und Sicherheitsprotokolle auf Deutsch
Zahnmed. Fachangestellte/rB1B2Patientenkontakt und zahnmedizinische Fachbegriffe

Die ehrliche Einschätzung: Mit B1 einzusteigen ist möglich, aber anstrengend. Die ersten Monate in der Berufsschule werden dich überfordern, wenn dein Deutsch nicht solide ist. B2 vor dem Start spart dir Stress und erhöht deine Chancen, Prüfungen zu bestehen.


Von null Deutsch bis zum Ausbildungsplatz: 10 Schritte

Hier ist der komplette Fahrplan. Gesamtdauer: 12-24 Monate von null Deutsch bis zum ersten Arbeitstag als Azubi.

Schritt 1: Beruf und Region auswählen (Monat 0)

Bevor du ein Wort Deutsch lernst, entscheide was und wo. Die regionalen Unterschiede in Deutschland sind enorm.

  • Ostdeutschland (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern): 70-85 % Annahmequote für internationale Bewerber. Betriebe suchen händeringend und sind besonders offen.
  • Bayern und Baden-Württemberg: Starke Wirtschaft, höhere Gehälter, aber mehr Konkurrenz und höhere Lebenshaltungskosten.
  • Nordrhein-Westfalen: Die meisten Plätze insgesamt, weil hier die meisten Menschen leben.

Beispiel: Ein Mechatroniker-Azubi in Leipzig verdient 1.050 EUR/Monat und zahlt 350 EUR für eine Wohnung. Derselbe Azubi in München verdient 1.100 EUR/Monat, zahlt aber 700 EUR für ein kleineres Zimmer. In Ostdeutschland lebst du während der Ausbildung oft besser.

Schritt 2: Deutsch lernen — A1 (Monate 1-3)

Starte mit einem A1-Kurs in deinem Heimatland. Möglichkeiten: Goethe-Institut, lokale Sprachschulen oder Online-Kurse. Auf A1 lernst du Begrüßungen, Zahlen und einfache Sätze — genug, um dich vorzustellen.

Kosten: 200-500 EUR für A1 in den meisten Ländern. Online-Plattformen wie DeutschAkademie oder der Goethe-Online-Kurs kosten zwischen 0 und 700 EUR.

Schritt 3: A2 erreichen und Stellensuche starten (Monate 3-6)

Ab A2 verstehst du Stellenanzeigen und kannst einfache Bewerbungs-E-Mails schreiben. Starte jetzt die Suche auf:

  • GoAusbildung (goausbildung.de): Über 60.000 Ausbildungsplätze speziell für internationale Bewerber. 85 % Vermittlungsquote.
  • Ausbildung.de: Deutschlands größtes Ausbildungsportal.
  • IHK-Lehrstellenbörse (ihk-lehrstellenboerse.de): Offizielle Stellen der IHK-Kammern.
  • Agentur für Arbeit (arbeitsagentur.de): Stellenangebote der Bundesagentur.

Die meisten Betriebe nehmen Bewerbungen 6-12 Monate vor Ausbildungsbeginn (meist August oder September) entgegen.

Schritt 4: B1 erreichen und Prüfung bestehen (Monate 6-10)

Dein wichtigster Meilenstein. Mit dem B1-Zertifikat (Goethe-Institut, telc oder ÖSD) ist das Visum möglich. Plane 3-5 Monate für B1 nach dem A2-Abschluss.

Gesamtkosten A1-B1: Etwa 1.000-2.500 EUR im Heimatland. In Deutschland decken BAMF-Integrationskurse die Niveaus A1-B1 kostenlos ab, wenn du eine Berechtigung hast.

Gesamtbudget vor der Abreise: Rechne mit 2.000-3.000 EUR für Sprachkurse, Prüfungsgebühren, Übersetzungen und Visumskosten.

Schritt 5: Ausbildungsvertrag sichern (Monate 7-12)

Bewirb dich mit deinem B1-Zertifikat (oder einer Einschreibebestätigung für den B1-Kurs). Deine Bewerbung enthält:

  1. Bewerbungsschreiben — eine Seite, auf Deutsch
  2. Lebenslauf — deutsches Format mit Foto, antichronologisch
  3. Schulzeugnisse — übersetzt und beglaubigt
  4. Deutschzertifikat — mindestens B1, besser B2
  5. Passkopie

Branchen mit starkem Mangel — Gesundheitswesen (über 40.000 offene Stellen), Gastronomie, Handwerk — nehmen Bewerber mit B1 besonders gerne.

Schritt 6: Ausbildungsvisum beantragen (§ 16a AufenthG) (Monate 10-14)

Sobald du einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag hast, stellst du den Visumantrag bei der deutschen Botschaft. Erforderliche Unterlagen:

  • Gültiger Reisepass (mindestens 6 Monate Restlaufzeit)
  • Ausbildungsvertrag
  • B1-Deutschzertifikat (Goethe, telc oder ÖSD)
  • Finanzierungsnachweis (Sperrkonto mit 11.904 EUR/Jahr — entfällt oft bei ausreichendem Ausbildungsgehalt)
  • Krankenversicherungsnachweis
  • Motivationsschreiben
  • Visumgebühr: 75 EUR

Bearbeitungszeit: 4-12 Wochen je nach Botschaft.

Altersgrenze: Du musst bei der Antragstellung unter 35 Jahre alt sein.

Gut zu wissen: Dank des bilateralen Abkommens zwischen Indien und Deutschland (Modi-Scholz, Oktober 2024) gibt es ein Kontingent von 90.000 Visa pro Jahr für indische Staatsangehörige. Das verkürzt die Wartezeiten erheblich.

Schritt 7: Sperrkonto und Finanznachweis

Das Sperrkonto verlangt 11.904 EUR/Jahr (992 EUR/Monat). Für Ausbildungsvisa wird es aber häufig nicht benötigt, wenn dein monatliches Ausbildungsgehalt die Lebenshaltungskosten deckt. Deine Botschaft bestätigt dir, ob es in deinem Fall erforderlich ist.

Falls doch nötig: Beliebte Anbieter sind Expatrio (49 EUR Einrichtungsgebühr), Coracle und Deutsche Bank.

Schritt 8: Ankunft und Anmeldung in Deutschland (Monate 14-15)

Nach der Visumgenehmigung buchst du deinen Flug und organisierst eine erste Unterkunft. In den ersten zwei Wochen:

  1. Anmeldung beim Bürgeramt — Pflicht innerhalb von 14 Tagen nach Einzug
  2. Bankkonto eröffnen — Girokonto bei Sparkasse, Volksbank oder N26
  3. Krankenversicherung — als Azubi bist du automatisch gesetzlich krankenversichert
  4. Aufenthaltstitel — bei der Ausländerbehörde dein Visum in eine Aufenthaltserlaubnis umwandeln

Schritt 9: Ausbildung starten (August/September)

Dein erster Tag. Du wechselst zwischen:

  • Betriebliche Ausbildung: Praktische Aufgaben, angeleitet von einem Ausbilder
  • Berufsschule: Theorie, Fachvokabular, allgemeinbildende Fächer. 8-12 Stunden pro Woche.

Die ersten Monate sind sprachlich am härtesten. Alles läuft auf Deutsch — Meetings, Sicherheitseinweisungen, Prüfungen. Aber du wirst dafür bezahlt zu lernen. Deine Kollegen wissen, dass du in der Ausbildung bist.

Schritt 10: Prüfungen bestehen und Abschluss erhalten (Jahr 2-3,5)

Die Ausbildungsprüfungen bestehen aus zwei Teilen:

  • Zwischenprüfung — nach 12-18 Monaten
  • Abschlussprüfung — am Ende der Ausbildung

Beide werden von der IHK oder HWK durchgeführt. Nach dem Bestehen erhältst du ein bundesweit anerkanntes Berufszeugnis. Dein Betrieb kann dir einen Festvertrag anbieten, oder du bewirbst dich als qualifizierte Fachkraft überall in Deutschland.


Visum: § 16a AufenthG im Detail

Das Ausbildungsvisum ist speziell für die duale Berufsausbildung gedacht. Hier die Eckdaten:

Details
Rechtsgrundlage§ 16a Aufenthaltsgesetz
ZweckDuale Berufsausbildung
DauerGesamte Ausbildungszeit (2-3,5 Jahre)
Arbeit erlaubtUnbegrenzt im Ausbildungsbetrieb; bis 10 h/Woche anderswo
DeutschnachweisB1-Zertifikat
AltersgrenzeUnter 35 bei Antragstellung
Finanznachweis11.904 EUR/Jahr (Sperrkonto) oder ausreichendes Gehalt
Visumgebühr75 EUR
Nach Abschluss18 Monate Aufenthaltserlaubnis zur Jobsuche oder direkt § 18a

Nach der Ausbildung: Du hast Anspruch auf eine 18-monatige Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche. Übernimmt dich dein Betrieb, wechselst du direkt auf das Fachkräftevisum (§ 18a). Nach nur zwei Jahren qualifizierter Beschäftigung kannst du die Niederlassungserlaubnis (unbefristeter Aufenthalt) beantragen — einer der schnellsten Wege zur dauerhaften Niederlassung in Deutschland.

Alternative: Anerkennungspartnerschaft

Seit März 2024 gibt es neben dem klassischen Ausbildungsvisum auch die Anerkennungspartnerschaft (§ 16d AufenthG). Sie richtet sich an Personen, die bereits eine Berufsqualifikation im Ausland erworben haben und diese in Deutschland anerkennen lassen wollen. Du brauchst dafür nur A2 Deutsch statt B1 und kannst bereits vor der vollen Anerkennung einreisen und arbeiten. Für viele Bewerber mit Vorerfahrung ist das der schnellere Weg.

Visum-Checkliste zum Abhaken

Bevor du zur Botschaft gehst, stelle sicher, dass du folgende Unterlagen vollständig hast:

  1. Reisepass mit mindestens 6 Monaten Gültigkeit
  2. Unterschriebener Ausbildungsvertrag
  3. B1-Deutschzertifikat (Goethe, telc, ÖSD)
  4. Finanzierungsnachweis oder Bestätigung, dass das Gehalt reicht
  5. Krankenversicherungsnachweis für die Einreise
  6. Motivationsschreiben auf Deutsch
  7. Biometrische Passfotos (35 x 45 mm)
  8. Ausgefülltes Visumantragsformular
  9. Visumgebühr: 75 EUR

Gehalt während und nach der Ausbildung

Dein Gehalt steigt mit jedem Ausbildungsjahr und springt nach dem Abschluss deutlich nach oben.

Während der Ausbildung

Beruf1. Jahr2. Jahr3. Jahr
Pflege1.380-1.490 EUR1.455-1.560 EUR1.560-1.665 EUR
Fachinformatiker/in1.050-1.400 EUR1.100-1.460 EUR1.200-1.530 EUR
Koch/Köchin900-1.200 EUR1.000-1.300 EUR1.100-1.400 EUR
Mechatroniker/in1.050-1.150 EUR1.100-1.200 EUR1.200-1.300 EUR
Elektroniker/in1.000-1.100 EUR1.050-1.150 EUR1.150-1.250 EUR
Kaufmann/-frau Einzelhandel960-1.100 EUR1.065-1.200 EUR— (2-jährig)
Fachkraft Lagerlogistik1.000-1.150 EUR1.050-1.200 EUR1.100-1.250 EUR

Nach dem Abschluss

BerufEinstiegsgehalt (Monat)Nach 5 Jahren
Pflege3.304 EUR3.700-4.200 EUR
Fachinformatiker/in2.800-3.900 EUR3.500-5.000 EUR
Koch/Köchin2.200-2.600 EUR2.800-3.200 EUR
Mechatroniker/in2.800-3.200 EUR3.400-4.000 EUR
Elektroniker/in2.700-3.100 EUR3.300-3.800 EUR
Kaufmann/-frau2.400-2.800 EUR3.000-3.600 EUR

Beispiel: Ein IT-Azubi verdient im ersten Jahr 1.050 EUR/Monat. Nach drei Jahren steigt er als Fachinformatiker mit 3.200 EUR/Monat ein. Nach fünf Jahren und einem Jobwechsel sind 4.500 EUR/Monat realistisch. Diese Gehaltsentwicklung erreichen viele Bachelor-Absolventen nicht so schnell.


Die gefragtesten Berufe 2026

Deutschland hat über 150.000 unbesetzte Ausbildungsplätze. In einigen Branchen ist die Lage besonders angespannt.

Gesundheitswesen: über 40.000 offene Stellen

Pflege (Pflegefachkraft), Medizinische Fachangestellte und Zahnmedizinische Fachangestellte sind chronisch unterbesetzt. Das Gesundheitswesen bietet die höchsten Ausbildungsvergütungen und den schnellsten Weg in eine Festanstellung.

IT und Technologie

Fachinformatiker/in (Anwendungsentwicklung oder Systemintegration) gehört zu den am schnellsten wachsenden Ausbildungsberufen. Viele IT-Unternehmen akzeptieren gute B1-Kandidaten, weil intern oft Englisch gesprochen wird.

Handwerk

Elektriker, Mechatroniker, Anlagenmechaniker SHK und Installateure werden dringend gesucht. Das Handwerk meldet über 25.000 unbesetzte Stellen. Betriebe in Ostdeutschland nehmen nahezu jeden qualifizierten Bewerber.

Gastronomie und Hotellerie

Hotels, Restaurants und Caterer finden kaum Nachwuchs. Koch/Köchin und Hotelfachmann/-frau haben hohe Annahmequoten für internationale Bewerber — die Gehälter sind allerdings niedriger als in Pflege oder IT.

Logistik

Fachkraft für Lagerlogistik ist durch den E-Commerce-Boom stark gefragt. Amazon, DHL und andere Logistikunternehmen stellen regelmäßig internationale Azubis ein.

Beispiel: In Sachsen-Anhalt sucht ein mittelständisches Pflegeheim eine Pflegefachkraft-Azubi. Monatliches Gehalt: 1.490 EUR im ersten Jahr. Miete für eine Zweizimmerwohnung in Halle: 380 EUR. Die Klinik stellt einen Ausbilder als Mentor und organisiert begleitenden Deutschunterricht. Nach drei Jahren hast du einen Abschluss, einen sicheren Arbeitsplatz und verdienst über 3.300 EUR/Monat.


Wo du Ausbildungsplätze findest

Plattformen für internationale Bewerber

  • GoAusbildung (goausbildung.de): Über 60.000 Stellen, speziell für internationale Bewerber aufbereitet. 85 % Vermittlungsquote. Verfügbar auf Deutsch und Englisch.
  • Make it in Germany (make-it-in-germany.com): Offizielles Portal der Bundesregierung mit Stellenangeboten und Visa-Infos.
  • Triple-Win-Programm (giz.de/triple-win): Staatliches Programm, das seit 2013 über 6.000 Pflegekräfte vermittelt hat. Übernimmt Sprachkurse, Visum und Vermittlungskosten.

Allgemeine Portale

  • Ausbildung.de: Deutschlands größtes Ausbildungsportal. Filter nach Stadt, Beruf und Startdatum.
  • IHK-Lehrstellenbörse (ihk-lehrstellenboerse.de): Offizielle Angebote aller IHK-Kammern.
  • Agentur für Arbeit (arbeitsagentur.de): Umfassendes Angebot der Bundesagentur.
  • StepStone und Indeed Deutschland: Allgemeine Jobportale mit Ausbildungsangeboten.

Direktbewerbung bei Unternehmen

Große Unternehmen wie Siemens, Deutsche Bahn, Bosch, BASF und BMW haben eigene Ausbildungsprogramme mit eigenen Seiten für internationale Bewerber. Diese Programme bieten oft Deutschkurs-Unterstützung und Integrationsbegleitung.

Finde eine Sprachschule in der Nähe deines künftigen Ausbildungsortes und bereite dein Deutsch gezielt vor.


Anerkennung ausländischer Zeugnisse

Wenn du bereits Qualifikationen aus deinem Heimatland mitbringst, kannst du deine Ausbildung verkürzen oder eine direkte Anerkennung erhalten.

Schulzeugnisse

Dein Schulabschluss muss als gleichwertig mit einem deutschen Hauptschulabschluss oder Mittleren Schulabschluss anerkannt werden. Nutze die anabin-Datenbank (anabin.kmk.org), um zu prüfen, ob dein Zeugnis anerkannt wird.

Vorhandene Berufsqualifikationen

Hast du bereits eine Berufsausbildung im Ausland abgeschlossen, gibt es zwei Wege:

  1. Volle Anerkennung: Deine Qualifikation wird als gleichwertig anerkannt. Du überspringst die Ausbildung und arbeitest direkt als Fachkraft.
  2. Teilweise Anerkennung: Du absolvierst eine Anpassungsqualifizierung oder eine verkürzte Ausbildung, um die Lücken zu schließen.

Prüfe deine Qualifikation auf anerkennung-in-deutschland.de — dem offiziellen Anerkennungsportal, verfügbar auf Deutsch, Englisch und weiteren Sprachen.

Dauer und Kosten der Anerkennung

Der Anerkennungsprozess dauert in der Regel 3-4 Monate ab Einreichung aller Unterlagen. Die Gebühren variieren je nach Bundesland und Beruf, liegen aber meist bei 100-600 EUR. Dazu kommen Kosten für beglaubigte Übersetzungen (200-400 EUR). Viele Arbeitgeber übernehmen diese Kosten, wenn du bereits einen Ausbildungsvertrag hast.


Sprachkurse vor der Ausbildung

Du hast mehrere Möglichkeiten, das nötige Deutschniveau zu erreichen.

Im Heimatland

  • Goethe-Institut: Der Goldstandard. Präsent in 98 Ländern. Kosten variieren je nach Standort (200-1.000 EUR pro Niveau).
  • Lokale Sprachschulen: Oft günstiger, Qualität variiert. Frage nach, ob sie auf Goethe-, telc- oder ÖSD-Prüfungen vorbereiten.
  • Online-Kurse: Flexibel, erfordert aber Selbstdisziplin. DeutschAkademie, Lingoda und die Online-Kurse des Goethe-Instituts sind beliebte Optionen.

In Deutschland (vor Ausbildungsbeginn)

Wenn du vor dem Ausbildungsstart nach Deutschland kommst, kannst du einen Intensivkurs besuchen:

  • BAMF-Berufssprachkurse: Kostenlose Deutschkurse für anerkannte Arbeitssuchende und Visuminhaber. Decken B1 und B2 ab.
  • Private Sprachschulen: Intensivkurse (20-30 Stunden/Woche) kosten 400-900 EUR/Monat.

Finde eine akkreditierte Sprachschule in Deutschland, um Preise und Kursformate zu vergleichen.

Ausführliche Infos zum Sprachkursvisum findest du in unserem Komplett-Guide zum Sprachkursvisum.

Zeitplan: Von null bis B2

NiveauDauerGesamtstundenKumulierte Zeit
A12-3 Monate160-200 h2-3 Monate
A22-3 Monate160-200 h4-6 Monate
B13-4 Monate200-250 h7-10 Monate
B23-5 Monate200-300 h10-15 Monate

Intensivkurse (20+ Stunden/Woche) komprimieren das auf 8-10 Monate von null bis B2.


Informationen für Bewerber aus wichtigen Herkunftsländern

Indien

Indien ist das am schnellsten wachsende Herkunftsland für Ausbildungskandidaten. Das bilaterale Modi-Scholz-Abkommen vom Oktober 2024 schuf ein Kontingent von 90.000 Visa pro Jahr für indische Staatsangehörige — darunter Ausbildungs-, Fachkräfte- und Studienvisum. Die Bearbeitungszeiten an den Botschaften in Neu-Delhi, Mumbai und Bangalore haben sich seitdem deutlich verkürzt. Das Goethe-Institut ist in sechs indischen Städten vertreten.

Philippinen

Die Philippinen haben eine lange Tradition der Arbeitsmigration nach Deutschland, besonders im Gesundheitsbereich. Das Triple-Win-Programm hat seit 2013 über 6.000 philippinische Pflegekräfte vermittelt. Die GIZ Manila bietet Deutschkurse bereits vor der Ausreise an. Bewerber sollten sich beim Department of Migrant Workers (DMW) registrieren.

Vietnam

Vietnam ist eines der wichtigsten Partnerländer Deutschlands in der Berufsbildung. Seit 2012 laufen Pilotprojekte des BMBF zur deutsch-vietnamesischen Berufsbildungskooperation. Mehrere deutsche Handwerksbetriebe unterhalten direkte Rekrutierungspartnerschaften in Vietnam. Deutschkurse gibt es am Goethe-Institut in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt.

Türkei

Die türkische Community in Deutschland ist die größte nicht-EU-Diaspora. Viele Ausbildungsbetriebe haben Erfahrung mit türkischen Azubis und bieten gezielte Unterstützung. Das Goethe-Institut in Istanbul, Ankara und Izmir bietet Intensivkurse an. Türkische Schulabschlüsse werden in der Regel als gleichwertig mit dem Mittleren Schulabschluss anerkannt.


Häufig gestellte Fragen

Reicht B1 wirklich für eine Ausbildung?

Rechtlich ja. B1 ist das Minimum für das Ausbildungsvisum nach § 16a AufenthG. In der Praxis wird dir die Berufsschule deutlich leichter fallen, wenn du B2 hast. Fächer wie Wirtschafts- und Sozialkunde oder Fachtechnologie werden in anspruchsvollem Deutsch unterrichtet. Manche Betriebe verlangen B2 sogar im Vertrag. Wenn du mit B1 einsteigst, plane zusätzliche Lernzeit im ersten Jahr ein.

Wie viel Geld brauche ich vor der Abreise?

Rechne mit etwa 2.000-3.000 EUR für die gesamte Vorbereitungsphase. Das deckt Sprachkurse (1.000-2.000 EUR), Prüfungsgebühren (150-250 EUR pro Prüfung), beglaubigte Übersetzungen (200-400 EUR), Visumgebühr (75 EUR) und Flugticket. Falls dein Ausbildungsgehalt ausreicht, brauchst du kein Sperrkonto. Die Botschaft bestätigt dir das.

Kann ich eine Ausbildung über 35 noch machen?

Die Altersgrenze von 35 gilt speziell für das Visum nach § 16a AufenthG. Hast du bereits eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland (über ein anderes Visum), kannst du in jedem Alter eine Ausbildung beginnen. EU-Bürger haben keine Altersgrenze.

Wie viel verdienen Azubis pro Monat?

Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Jahr bei 724 bis 1.490 EUR/Monat, abhängig von Beruf und Region. Pflege zahlt am meisten (1.380-1.490 EUR). Das Gehalt steigt jedes Jahr. Zusätzlich zum Grundgehalt gibt es oft Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld — abhängig vom Betrieb und Tarifvertrag.

Brauche ich ein Sperrkonto für das Ausbildungsvisum?

Nicht immer. Das Sperrkonto (11.904 EUR/Jahr) ist die Standardanforderung, aber viele Botschaften verzichten darauf, wenn das monatliche Ausbildungsgehalt als ausreichend gilt. Ein Pflege-Azubi mit 1.400 EUR/Monat im ersten Jahr gilt in der Regel als finanziell abgesichert. Deine Botschaft klärt das im Einzelfall.

Welche Region hat die höchste Annahmequote?

Ostdeutschland (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) hat mit 70-85 % die höchsten Annahmequoten für internationale Bewerber. Diese Bundesländer kämpfen mit starkem demografischem Rückgang und werben aktiv international. Die Lebenshaltungskosten sind dort 30-40 % niedriger als in München oder Frankfurt.

Kann ich den Betrieb während der Ausbildung wechseln?

Ja, aber du brauchst einen neuen Ausbildungsvertrag mit dem neuen Betrieb. Der Wechsel muss von beiden Seiten genehmigt und bei der IHK oder HWK registriert werden. Dein Visum bleibt gültig, solange du im selben Beruf bleibst. Ein Berufswechsel während der Ausbildung ist komplizierter und kann einen neuen Visumantrag erfordern.

Was passiert, wenn ich die Abschlussprüfung nicht bestehe?

Du kannst die Abschlussprüfung zweimal wiederholen. Dein Ausbildungsvertrag kann um bis zu sechs Monate verlängert werden, damit du die Prüfung erneut ablegen kannst. Du bekommst weiterhin dein Gehalt. Die meisten Azubis bestehen beim zweiten Anlauf, besonders mit zusätzlicher Unterstützung durch die Berufsschule.

Kann ich meine Familie nach Deutschland mitbringen?

Familiennachzug während der Ausbildung ist möglich, aber eingeschränkt. Dein Ehepartner kann nachziehen, wenn er mindestens A1 Deutsch nachweist und du über ausreichend Wohnraum und Einkommen verfügst. Kinder unter 18 können mitkommen. Das Ausbildungsgehalt allein reicht oft nicht für den Einkommensnachweis — manche Antragsteller ergänzen mit einer Verpflichtungserklärung eines Bürgen in Deutschland.

Was kommt nach der Ausbildung?

Nach bestandener Abschlussprüfung bekommst du eine 18-monatige Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche. Übernimmt dich dein Betrieb, wechselst du direkt auf das Fachkräftevisum (§ 18a). Nach nur zwei Jahren qualifizierter Beschäftigung kannst du die Niederlassungserlaubnis (unbefristeter Aufenthalt) beantragen. Das ist einer der schnellsten Wege, dauerhaft in Deutschland zu leben.


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Starte jetzt deine Ausbildung

Deutschland hat über 150.000 unbesetzte Ausbildungsplätze und das System ist darauf ausgelegt, internationale Bewerber willkommen zu heißen. Das Wichtigste, was du jetzt tun kannst: Fang an, Deutsch zu lernen. Jede Woche Deutschunterricht bringt dich näher an einen Ausbildungsvertrag, ein Gehalt und eine langfristige Karriere in Europas größter Volkswirtschaft.

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